Wer hat’s erfunden? RICOLA BAUT MIT HERZOG & DE MEURON & LEHM

Mitte Juni war es soweit: Vier Kreisfenster mit dem beeindruckenden Aussendurchmesser von etwa 5,75 Metern wurden per Spezialtransport nach Laufen gebracht. Nach der Durchquerung von insgesamt sechs Kantonen war das Ziel erreicht: Die Baustelle des neuen Produktionsgebäudes von Ricola, wo zukünftig die gesamte Kräuterverarbeitung unter einem Dach stattfinden wird. Die Kreisfenster sind Spezialanfertigungen des Metallbauspezialisten Krapf AG mit Standort in Engelburg. Der Schweizer Metallbauunternehmer hat sich seit 1964 zu einem der führenden Ansprechpartner für Sonderlösungen im Fassaden-, Fenster- und Metallbau etabliert und wurden für diese besondere Aufgabe mit der Herstellung der ca. 4950 kg schweren Kreisfenster betraut.
Aber nicht nur die Fenster sind aussergewöhnlich. Das ambitionierte Projekt aus der Feder des renommierten Architekturbüros Herzog & de Meuron besticht durch das monolithisch wirkende lange Gebäudevolumen mit Flachdach sowie die innovative Materialwahl. Die Fassade besteht nämlich aus Stampflehm. Lehm hat eine ausgleichende Wirkung auf Temperatur und Feuchtigkeit, was sich positiv auf die Energiebilanz auswirkt, weil das Gebäude weniger klimatisiert werden muss. Im Nachbarort Zwingen wurde eine temporäre Produktionshalle errichtet, wo die Lehm Ton Erde Baukunst GmbH in einem neu entwickelten Verfahren sämtliche Fassadenelemente komplett aus Laufenburger Lehm herstellt. Der Bau zeichnet sich somit nicht nur durch hohe Energieeffizienz aus, sondern efüllt auch modernste Öko-Bau-Richtlinien. Transporteffizienz und ein vernünftiger Umgang mit Ressourcen im Vordergrund stehen.

 

Langjährige Freundschaft

Jacques Herzog und Pierre de Meuron realisieren bereits das fünfte Gebäude für den Schweizer Kräuterbonbon-Hersteller. Bereits 1980 planten die Architekten den Umbau des Wohnhauses von Alfred Richter, dem Firmengrüder von Ricola. In den darauf folgenden Jahren entstand eine freundschaftliche Verbindung der Ricola-Familie zu den Architekten, die unter anderem die Renovierung des ehemaligen Fabrik- und heutigen Verwaltungsgebäudes, den Bau des Verpackungs- und Vertriebsgebäudes und ein Marketinggebäude zur Folge hatte. Nun also der aktuellste Neubau. Wir sind gespannt und freuen uns darüber, dass der Lehmbau offenbar weg vom Klischee der einfachen Hütten in Entwicklungsländern und hin zu spannenden Projekten mit Zukunftsperspektiven geht.

Die Entwicklung des Baus kann über eine Webcam mitverfolgt werden.